Zwei Marathonläuferinnen im Dauerduell

Veronica Clio Hähnle-Pohl und Bettina Englisch

» Bei der TSG 1845 Heilbronn hat Abteilungsleiter Peter Schramm mit Veronica Clio Hähnle-Pohl, Isabel Leibfried und Bettina Englisch drei leistungsstarke Langstreckenläuferinnen in seinen Reihen – und könnte im Prinzip neben Regensburg und Hamburg die dritte Kraft im Frauenlaufbereich sein. Könnte –  denn wie so oft musste eine der Leistungsträgerinnen vorzeitig passen. Das war 2017 bei den Titelkämpfen in Hannover (Halbmarathon) und Frankfurt (Marathon) auffällig, als die TSG nicht komplett antreten konnte. Lediglich bei den 10 km-Titelkämpfen in Bad Liebenzell schafften es die Heilbronner Frauen als Vierte, mit einem Rückstand von 59 Sekunden auf das erweiterte Podium.

Gesundheitliche Probleme machten in Peter Schramms Planungen immer  wieder einen Strich durch die Rechnung. Veronica Clio ist im Oktober in der Arcus-Sportklinik in Pforzheim wegen Rissen in der Achillessehne und einer  Haglundferse operiert worden und befindet sich seit Dezember im behutsamen Aufbautraining; Bettina riss nur wenige Minuten vor dem Start beim Frankfurt-Marathon ein Band im Sprunggelenk und sie war bis Mitte Dezember außer Gefecht gesetzt.

Und dennoch war gerade bei Bettina die Saison 2017 ein Erfolgsjahr. „Eigentlich kann ich mich über die Saison nicht beklagen“, so die Teamleiterin im Verkauf eines Verlags. Und legt sogleich auch die Fakten auf den Tisch: Über 10 km und Marathon wurde sie bei den Deutschen Meisterschaften in der W35-Klasse Meisterin, über die Halbmarathondistanz zudem W35-Zweite. Und wusste sich auf ihren Standardstrecken zum Teil erheblich zu steigern, so dass die Hausrekorde fast komplett aus dem Erfolgsjahr 2017 stammen.

„Mein schönster Wettkampf war der Trollinger“, gestand Bettina Englisch, „denn ich liebe es, in der Heimat zu laufen!“ In einem überaus spannenden Duell mit Veronica steigerte sich die 38-Jährige aus Brackenheim auf 2:49:52 Stunden und lag dabei als Zweite lediglich 24 Sekunden hinter ihrer Vereinskollegin – blieb aber ebenso noch unter dem bisherigen Streckenrekord. „Es ist perfekt gelaufen, es war einfach genial!“ Dabei war das Regenwetter nicht unbedingt das Ding von Bettina, die gerne auch bei Hitze unterwegs ist.

Ihre Trainingspläne holt sie aus dem Internet – vom Laufguru Peter Greif (Motto: „Wir wecken den Sieger in dir!“). Und von ihm hat sie gewiss auch die Portion Wettkampfhärte, die eine leistungsstarke Läuferin letztlich ausmacht. Nur so ist zu verstehen, dass Bettina mit einem Bänderriss in Frankfurt Hausrekord mit 2:47:36 Stunden laufen konnte. „Mit viel Adrenalin im Blut geht so etwas vielleicht“, versucht sie die Erklärung, dass es trotz dieser massiven Verletzung zur Bestzeit gereicht hat. „Seitdem bin ich allerdings keinen Schritt mehr gelaufen. Egal, wie auch immer, Frankfurt war ein sehr schöner Abschluss nach einer starken Saison!“

Zum Zeitpunkt Frankfurt-Marathon mit integrierten deutschen Meisterschaften war Veronica Clio Hähnle-Pohl schon längst operiert und mit Rehabilitationsmaßnahmen beschäftigt. „Eigentlich wollte ich auch in Frankfurt laufen, bin aber froh, dass die Operation schnell gemacht werden konnte. Im Prinzip hatte ich schon seit 1 ½ Jahren Beschwerden, aber immer weiter trainiert!“

Inzwischen sind Wochen mit Alternativtraining vorüber und erste Laufeinheiten, darunter auch bereits mit ansprechendem Tempo, absolviert. „Ich bin wieder voll motiviert und möchte schon erneut in meinen Bestzeiten-Bereich vorstoßen“, blickt Veronica zuversichtlich in die nähere Zukunft. Zusammen mit ihrem neuen Trainer Gerold Zipse möchte sie den Abstand zur hoch gelegten (persönlichen) Messlatte verringern. Schließlich kann sie in ihrer erfolgreichen Karriere auf eine Reihe von Top-Platzierungen bei deutschen Meisterschaften verweisen. Dabei reicht die Palette von 5000 m und 10 000 m auf der Bahn bis hin zu den Straßendistanzen von 10 km bis Marathon.

„Mein Ziel sind wieder die Top 10 in Deutschland, allerdings muss ich schauen, was mit Familie, Beruf und Leistungssport möglich ist“. Schließlich sind Zeiten unter 35 Minuten über 10 km, 1:15 im Halbmarathon und 2:40 im Marathon nicht ohne weiteres machbar. Da muss schon alles passen. „Ich bin ein Wettkampftyp, der das Feeling und ebenso den Erfolg braucht. Den hatte ich beim Trollinger Marathon. Das war unbestritten einer meiner besten Marathonläufe. Das Highlight in einer fast komplett gelungenen Saison!“

Die 32jährige Diplom-Sportwissenschaftlerin möchte künftig ihre Arbeit als Personal Trainerin und im Gesundheitsmanagement zeitlich begrenzen, um für ihre Familie und das tägliche Training genügend Freiräume zu haben. „Die Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf reizen mich nicht unbedingt, weil ich dort den Druck von Meisterschaften spüre. Viel lieber würde ich einen Frühjahrsmarathon in Wien oder Zürich laufen, denn dort haben wir Verwandtschaft, die während des Rennens auf unseren dreijährigen Sohn Arthur aufpassen könnte“. Bis es allerdings soweit ist, und das weiß die im Leistungssport überaus erfahrene Veronica sehr genau, ist es wichtig, einen Schritt nach dem anderen zu tun. „Ich werde einfach schauen, wie ich mich in den nächsten Wochen und Monaten wieder belasten und Freude beim Laufen haben kann. Vielleicht reicht es daher auch, wenn ich auf dem „Haigern“ (höchster Punkt der Strecke des Trollinger Marathon in Talheim) mit der Startnummer 1 ins Rennen gehen werde….“

Text: Wilfried Raatz aus RUNREGIO 2018, Fotos: Marathon Karlsruhe e.V.

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