Lebenslanger Läufer mit 78 Jahren

Theodor Scheuerer:  „Laufen war bei mir nie Fanatismus“

Wer mit 78 Jahren noch als Läufer aktiv ist, den lohnt es sich einmal näher zu betrachten. Theodor Scheuerer ist Jahrgang 1938 und in Ottersweier geboren. Im Vergleich zu vielen Läufern redet er auffällig wenig über Zahlen, obwohl er sicherlich einigen Grund dazu hätte. 32 Mal stand er im September in Karlsruhe am Start: 10 Mal finishte er dabei den Marathon ‒ ansonsten bis zuletzt 2015 – den Halbmarathon. 2016 durfte er nicht antreten, da ihm der Arzt dies verboten hatte. Zwischenzeitlich läuft er wieder – wie gewohnt – u.a. dienstags mit einer Frauengruppe des TV Bühlertal, die er ca. 10 km durch die herrliche Schwarzwaldlandschaft rund um Bühlertal führt.

Dort lebt Theodor Scheuerer seit über 50 Jahren und freut sich über die schönen Laufmöglichkeiten vor der Haustür oder auch im Winter über das Skilanglaufen. Rund 20 km auf Langlaufskiern, gemeinsam mit seiner Frau, schätzt er bis heute als willkommene Trainingsabwechslung. Wann ihn genau der Laufvirus packte, ist nicht eindeutig auszumachen. Ab 10 Jahren bis hin zur Jugendzeit rannte er gerne gemeinsam mit mehr oder weniger Gleichaltrigen um die Kirche von Ottersweier. Daraus entwickelte sich eine gute Kondition. Sein Ruhepuls liegt bis heute bei 35-40 Schlägen/Minute. Sein Arzt attestiert ihm ein großes und kräftiges Herz. Das hat er sich unter anderem auf zahlreichen Dienstreisen erlaufen. Beruflich kam er als Projektingenieur im Außendienst viel herum und hatte oft Termine in verschiedenen Städten. Hierbei machte er es sich einfach zur Gewohnheit, diese laufend zu erkunden. Das machte den Kopf frei. „Dabei konnte ich abschalten“. Beides half ihm, beruflich gut durchzuhalten und ist dem rüstigen Senior bis heute wichtig.

Eine technische Trainingsphilosophie hat er nicht. Das lockere Laufen ist für ihn stets am wichtigsten. Tempoläufe werden ab und an eingestreut – etwas gymnastischer Ausgleich gehört ebenso dazu. Im Vordergrund steht bis heute stets: „Der Körper soll sich wohlfühlen“. Dazu kann für Theo Scheuerer ebenso gehören, läuferisch inne zu halten und beispielsweise einen schönen Sonnenuntergang zu betrachten. „Laufen war bei mir nie Fanatismus“ meint er und „ich hätte  sicher auch bessere Zeiten schaffen können“. Aber es ging und geht ihm stets auch um anderes. Beispielsweise um Begegnungen: „Wenn sich da einer mit „hallo Theo“ an der Strecke fand, musste ich kurz anhalten“. Das gilt teilweise heute noch für die Tänzer/innen beim Karlsruher Tanzmarathon entlang der Strecke des Baden-Marathon: „Da mache ich ein paar Schritte mit“.

Das verbissene Laufen war nie seine Welt. Er erinnert sich an einen seiner Starts beim Wolfgangseelauf, bei dem ein sehr ambitionierter Teilnehmer der M70 hinter der Ziellinie tot zusammenbrach. Solcher falscher Ehrgeiz ist für ihn weit weg: „Ich brauche mir nichts mehr zu beweisen – das Laufen war und ist für mein Dasein von Vorteil“. Anzumerken ist hierbei wohl noch, dass das Umgekehrte ebenso gilt – Theodor Scheuerer war über 20 Jahre für den Badischen Leichtathletikverband als Seniorenwart engagiert und mit viel Herzblut tätig. Ein Glücksfall für den Verband, auch wenn „Theo“ vor einigen Jahren dann doch einmal aufhören wollte. Allerdings mit dem Laufen möchte er nicht aufhören, auch wenn die Zeiten schon lange nicht mehr schneller werden und die Regenerationsphasen mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Text: Fried-Jürgen Bachl aus RUNREGIO 2017, Foto: Marathon Karlsruhe e.V.

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